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Revival von Schnäpperle und Hui-Maschine

Neben der Maschine stehen David Schmid und Franziska Schneider und halten "Schnäpperle" und "Hui-Maschine" in den Händen. Diese beiden längst verschollenen Klassiker aus dem Sortiment der Lebenshilfe Zollernalb erleben dank der großen Ausstellung in der Balinger Stadthalle ein Revival.

Kaum hat David Schmid das "Huihui" aus dem Karton geholt, muss er grinsen. Er ist bei der Lebenshilfe Zollernalb für die Eigenprodukte unter dem Albkult-Logo zuständig und hat schon so manchen angehenden Kollegen mit dem hölzernen Propellerteil auf die Schippe genommen. Oder mit dem "Schnäpperle". Eine Kollegin habe geschlagene vier Stunden probiert, ehe er sie ins Geheimnis des Scherzartikels eingeweiht habe. "Ich hatte ihr erzählt, dass das Teil des Einstellungstests ist", verrät er scherzend.

Die Werkstatt hat den Turbo eingelegt
"Die Arme hatte da schon rote Finger", sagt er lachend und lässt das Hölzchen schnappen. Das gibt es nun mit Rizzi-Motiv – Oberbürgermeister Reitemann sei Dank, dass die Spielzeuge, die eine der ersten Produkte der Lebenshilfe waren, wieder aufleben. Denn, erzählt Schmid, die Art28, also die Galerie hinter der großen Ausstellung in der Balinger Stadthalle, fragte den Stadtvater nach Kooperationspartnern.

"James Rizzi hat ja auch Holzspielzeuge gemacht", weiß Franziska Schneider, Leiterin der Druckerei in der ISBA. Und weil es bei Ausstellungen des 2001 verstorbenen Künstlers üblich ist, gemeinnützige Einrichtungen mit ins Boot zu holen, sei es eigentlich nur logisch gewesen, dass die Lebenshilfe dabei ist. Und zwar mit dem Huihui, dem Schnäpperle und Memotafeln aus Holz, alles bedruckt mit kunterbunten Motiven des New Yorkers und zu erstehen im Shop der Ausstellung.

"Einfach schön", findet Gruppenleiterin Franziska Schneider die Motive von James Rizzi. Und gibt dieses Etikett auch an die Zusammenarbeit mit der Tübinger Galerie weiter. "Wir hatten völlig freie Hand bei der Gestaltung."

Ganz so rosig war es freilich nicht immer. Als die Pandemie ihren Anfang nahm, seien alle in Schockstarre gefallen. Nichts ging mehr. Aber als klar war, dass die Ausstellung kommt, hat die Lebenshilfe den Turbo eingelegt. Alle haben Hand in Hand gearbeitet.

Und dank des breit aufgestellten Portfolios in den verschiedenen Werkstätten war die angestrebte Marge auch zu schaffen. Genau so wie die beiden Albliegen vor der Stadthalle und deren Pendant just für einen privaten Käufer in der ISBA bedruckt wurden.

Dass das "Schnäpperle" nach Jahrzehnten noch am Markt ist, verdankt das kleine Teil auch Holger Klein. Der Chef der Stiftung Lebenshilfe sagte zu Kollege Schmid: "Das gehört zur Werkstatt." Bis heute ist das Schnäpperle eins der meistverkauften Produkte von Albkult. 2019 ging ein immenses Konvolut nach Berlin. "Warum auch immer", sagt David Schmid. Vermutlich habe es in der Hauptstadt einen Zeitungsartikel gegeben. So genau weiß er das nicht. Macht nichts – Hauptsache, die Käufer haben Spaß. Neuerdings eben auch mit bunten Knobeleien.
Von Silke Thiercy